Die Raunächte – oder früher auch „Rauchnächte“ genannt, weil in dieser Zeit die Häuser geräuchert wurden – sind und waren schon immer eine magische Zeit.

Über die Raunächte kannst du Vieles nachlesen, je nach Ort und Brauchtum gibt es immer wieder kleine Unterschiede, wie das in den meisten Traditionen so ist. Auch die Anzahl der Raunächte ist nicht einheitlich – mal sind es 12 Nächte, mal 13 und mal beginnen die Raunächte am 25. Dezember, mal bereits schon nach Wintersonnwend (nach dem 21. Dezember).

Ich will daher nur über mich schreiben – einen Ausschnitt daraus, wie ich die Raunächte begehe, was mir da wichtig ist und wie sich diese Zeit für mich anfühlt.

Üblicherweise setze ich mich ein paar Tage vor Weihnachten hin und lasse schon mal grob Revue passieren, was das Jahr für mich bereithielt UND welche Wünsche in mir aufsteigen, wenn ich an das nächste Jahr, an den nächsten Neuanfang meines Lebens denke.

Kleines Raunachtsritual

13 Wünsche sollen es sein, die ich auf 13 Zettel schreibe und zusammenfalte. Und am 25. folgen 12 Nächte, in denen ich je einen der Wünsche draußen ins Feuer gebe, ohne zu wissen, welcher gerade mit dem Rauch aufsteigt ins Universum, um im neuen Jahr Erfüllung zu finden. Ich danke bei jedem Feuer für die Erfüllung und auch dafür, dass dieser Wunsch so nur geschieht, wenn er dem höchsten Wohl des Großen Ganzen und der Liebe dienlich ist (was ich ja nicht immer gleich überblicken kann, das gebe ich lieber in höhere Hände).

Am 5. Januar abends verbrenne ich den 12. Zettel.

Und am 6. Januar, am Tag der weiblichen Dreifaltigkeit (nein, nicht die heiligen 3 Könige, sondern die 3 Muttergöttinnen, die viele Tausend Jahre älter sind als die 3 Weisen aus dem Morgenland, die wir aus dem Christentum kennen), da falte ich dann den übriggebliebenen Zettel auseinander und schaue, welcher Wunsch mich hier überrascht.

Denn um diesen Wunsch muss ich mich selbst kümmern. Den kann ich nicht einfach ans Universum, die große Göttin, das Feuer abgeben. Hier braucht es meine besondere Aufmerksamkeit und Bewusstheit, meine eigenen Aktionen, damit dieser Wunsch auf die Erde kann.

Ich mag dieses Ritual und es ist immer wieder spannend, welcher Wunsch übrigbleibt. So komme ich auch gar nicht erst in Versuchung, vollkommen „unmögliche“ Wünsche aufzuschreiben (andererseits – was ist schon tatsächlich unmöglich?), denn genau ein solcher Wunsch könnte übrigbleiben und mich ganz schön fordern.

Morgen, zu Wintersonnwend, wenn die Nacht am längsten ist und die Dunkelheit am tiefsten führt, werde ich mich also wieder hinsetzen und Wünsche erfühlen, die in meinem Herz brennen oder glühen, die bewusste Sehnsüchte sind oder die sich erstmal nur ganz leise wagen zu melden.

Unterm Schleier

Und dann werde ich in den Raunächten den Rauch, den Nebel genießen, der zwischen den Jahren hängt und mich immer wieder in verborgene Welten trägt. Es heißt nicht umsonst „die Zeit zwischen den Jahren“, das spüre ich immer sehr deutlich. Es ist eine Zeit „dazwischen“, nicht so klar definiert (und Silvester passt da für mich eigentlich als explosive Unterbrechung gar nicht so richtig hinein), ein Schwebezustand, in dem alles möglich ist.

So wie die eigene Mitte, wenn ich ganz still bin und fühle, dass in mir drin sämtliche möglichen Wege liegen. Dass in mir drin aller Ursprung ist, die Quelle, aus der alles entspringt. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, also jede Entscheidung und Aktion, mit der ich meinen Weg und mein Leben wieder einen Schritt weitergehe, jedesmal eine kleine Entscheidung, welche Richtung ich nehme.

Es wird so deutlich – auch wenn jeder Tag Neuausrichtung bringen kann – in diesen Tagen und Nächten, dass ich Schöpferin meines Lebens bin und dass ich verbunden bin mit all dem Wissen und den Erfahrungen und Möglichkeiten meiner Vorfahren, ob leiblicher oder spiritueller Natur. Wir sind alle verflochten und baden in derselben Quelle, aus der alles entsteht. Alles – jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Schöpfung.

Chaos und Träume

Bevor dann die Klarheit wieder neu geboren werden kann, ich einen Fokus bekomme, klare Ausrichtung und Absicht. Die Unklarheit vorher ist wichtig und ich kann sie nicht überspringen. Der weibliche Weg braucht diese Un-Ordnung, das Chaos, denn da liegt die höchstmögliche Kreativität. Dann ist nichts bereits vorgegeben, dann kann ich wirklich neue Spuren im Schnee machen.

Und so wünsche ich uns allen, ein bisschen im übertragenen Schnee zu versinken und uns einzulassen auf unsere inneren Träume, die uns zu uns selbst führen können.

Und zum Träumen kann ich auch noch kurz erwähnen, dass jeder Nachttraum in den Raunächten auf das Thema des jeweiligen Monats des kommenden Jahres hinweisen soll…der Traum der 1. Raunacht auf den Januar, der 2. Traum auf den Februar usw. – es gibt also nichts zu verpassen in den Raunächten, wir können ruhen und schlafen und träumen und den Nebel zwischen den Welten wabern fühlen.

AHE!

4 Kommentare
  1. Susonne sagte:

    Das ist ein sehr schönes Ritual. Durch das Formulieren der Wünsche bringt man die Gegenwart (mit den Erfahrungen der Vergangenheit) zu Papier und durch das Verbrennen setzt man Weichen für die Zukunft. Jetzt mal ehrlich: Schaust du denn am Jahresende auch wie fleißig das Universum war und wie viele der 12 Wünsche in Erfüllung gegangen sind ;-) ?
    Ich würde mich sehr freuen, wenn du weitere Schätze deiner Raunächte-Kiste hier teilst. Wie kam es, dass du den Impuls verspürt hast, einen Reisig-Besen (siehe Synchronizitäten-Artikel) zu binden und was tust du mit ihm?

    Antworten
  2. Lay sagte:

    Ja, deine Formulierung mit Gegenwart, Vergangenheit und den Weichen für die Zukunft finde ich superpassend! Absichten ausdrücken und Entscheidungen treffen – das passiert ja auch immer zwangsläufig im Jetzt (wie alles andere Reale ja auch;-)).

    Ich habe mir tatsächlich meine ganzen 13 Wunschzettel kopiert und gefaltet in mein Tagebuch gelegt. Ich schaue aber nicht mehr rein, und zwar das ganze Jahr über nicht. Erst am Ende…und dann schaue ich… Es kann auch schon mal sein, dass ein Wunsch überhaupt nicht erfüllt ist, weil sich meine Absichten im Laufe des Jahres geändert haben (ich habe mir z.B. vorletztes Jahr tatsächlich mal gewünscht, Spagat zu können…habe auch anfangs dafür geübt, im Laufe des letzten Jahres aber entschieden, dass dieser Wunsch überhaupt nicht mehr meinen tiefen Wünschen entspricht und das Ganze vergessen – natürlich konnte ich dann auch keinen Spagat. Das Universum hat mir ganz sicher Besseres geschenkt. In dem Fall ein besseres Gefühl für meinen Körper und das, was Weiblichkeit für mich tatsächlich ausmacht).

    Zum Reisigbesen – jaa, den habe ich fertiggestellt. Und der steht nun neben meinem Göttinnenaltar.
    Eigentlich soll so ein Besen neben der Haustür stehen (die Borsten nach oben!), um unerwünschten Besuch und andere schädliche Energien fernzuhalten, mal sehen, ob er nochmal wandern darf.

    Außerdem kann ich mit ihm die Räume reinigen und störende Energien vertreiben. Das ist kein echtes Fegen, sondern eher ein symbolisches Fegen. Trotzdem wirkt das sicher ähnlich wie Räuchern oder Glocken/ Klatschen zum Raumreinigen, weil einfach Absicht und Bewegung zusammenkommen und die Situation sich verändern kann.

    Noch etwas, was ich mit dem „Zauberbesen“ machen kann, ist Reisen. Das ist eine innere schamanische Reise (mit Steinen, mit Zauberteppich kennst du das ja auch schon;-)) und der Besen dient als Verbindung zur anderen Welt.
    Mein Besen hat z.B. einen Stock, den ich mir von meinem Haselnussbaum abgeschnitten habe. Haselnuss gilt als Helfer beim Übergang zwischen den Welten, wie ein Eintrittstor.
    Und Birke (der Reisig) ist der Baum, der mit den „Kräften des Lichts und des Neuanfangs verbunden ist“ (wie es z.B. im Buch von der Hexe Claire „Magie leben“ schön beschrieben ist).

    Vielleicht willst du es ja im nächsten Jahr mal probieren. Du kannst dir übrigens auch jederzeit einen Besen selber herstellen. Ich habe aber schon oft gehört, dass die Raunächte einen ganz besonderen Zauber ermöglichen, es ist eben eine für mich spürbar magische Zeit…

    Antworten
  3. Susonne sagte:

    Alles klar, das 13-Wünsche-Ritual wird ins Repertoire aufgenommen. Schade, dass wir erst Januar haben ;-)
    Und ein Besen muss auch her. Ich habe dieses Bild von der Hexe auf demselbigen schon immer geliebt. Die Frage, was man damit machen kann, ist mal wieder typisch für mich. Säubern und reisen, da hätte ich auch selbst drauf kommen können… :-)
    Ich werde es dem Universum überlassen, ob ich das im Verlauf des Jahres oder zu den nächsten Raunächten umsetze. Wenn es früher sein soll, sollte mir das Material vor die Füsse gepustet werden (was bei meinem Hang zur Stubenhockerei eher eine Herausforderung für das Universum wird, aber ich lasse mich gerne überraschen).
    Liebe Lay, vielen Dank für die Inspiration!

    Antworten
    • Lay sagte:

      😅 Wie schön, liebe Hexe! Vielleicht biete ich ja auch einfach mal einen Besenbauworkshop an, nun hast DU mich inspiriert!

      In einer Frauenrunde Hexenbesen zu basteln und uns mit unserem alten Wissen zu verbinden, das ist bestimmt ganz besonders kraftvoll, lustig und magisch!

      Die Raunachtszeit merk ich mir mal dafür, mal schauen. Danke!

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.