Komme gerade aus dem Kino – die Doku „Female Pleasure“ hat mich aufgewühlt. 5 verschiedene Frauen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, die ihre Geschichte erzählen. Und jede auf ihre Art aufgestanden sind – Tabus aufzeigen, Schweigen brechen, für die Freiheit der Frau und ihrer Weiblichkeit eintreten. Ob durch Kunst oder Bücher oder Vorträge oder Online. Es geht um weibliche Genitalverstümmelung („Beschneidung“), es geht um Vergewaltigungen und Gehirnwäsche in katholischen Klostern, es geht darum, wie selbstverständlich völlig anderes von Frauen als von Männern erwartet wird und es geht um viel Unrecht.

Es ist kein Opferdrama mit vielen Emotionen, die Fakten sprechen für sich und treiben Tränen der Wut in meine Augen. Es scheint mir, als leben wir noch immer in einer Hexenverfolgungswelt und –zeit, in denen das Frausein an sich solche widersinnigen Ängste im Patriarchat hervorruft, dass es subtil, offen, verrückt und von allen Seiten bekämpft, verdreht und unterdrückt wird.

Sind wir nicht in einen weiblichen Körper inkarniert, um weibliche Lust zu erfahren? Um alle Sinne einzusetzen, die wir bekommen haben? Um sämtliche Facetten einer heilen und freudvollen Frau zu leben? Um dem eigenen Körper zu vertrauen und der eigenen Intuition jederzeit Glauben schenken zu dürfen? Um auch mal laut unsere Meinung zu brüllen und nicht nur sittsam wie Next Topmodel zu tun, was Germany von uns erwartet und unsere ganze eingestampfte Stärke aufs Schminken und auf SchönheitsOPs zu verwenden?

So kann das nicht gedacht gewesen sein! NEIN!

Wut als Motor

Ich kann die Wut fühlen und das ist gut so. Denn Wut ist besser als Depression, Resignation und Kapitulation. Die Wut überhaupt wahrnehmen zu können nach so viel Jahrtausendelanger Gehirnwäsche ist ein Anfang. Wut gibt Energie und kann zum Handeln führen.

Es ist klar, dass ich nicht von männerfeindlichen Gegenschlägen rede, damit ist ja bekannterweise der Welt auch nicht geholfen. Aber ich rede von Aufklärung. Und von Ausdruck. Und vom Fühlen. Und vom Aufstehen und Aufbäumen und von der Weigerung, Dummheiten einfach so hinzunehmen und so zu tun als sei Irrsinn das Normale.

Auf dem Heimweg habe ich meine Berührung und Wut schon mal im Kleinen in Handeln umgesetzt. Denn jeder Schritt zählt.

Ab durch die Mitte

Das „Normale“ wäre gewesen, ich nehme den Umweg um den Park und radle durch die Straßen. Es war kurz vor 11 und dunkel und frau will ja ihr Glück nicht herausfordern und ihr Unglück nicht heraufbeschwören.

Aber ich war wütend aufs Patriarchat und alte Gesellschaftsformen und habe es nicht eingesehen auszuweichen, wie es von einer vernünftigen Frau erwartet wird. Ich „wusste“, mir kann gerade nichts passieren. Ist es auch nicht, der Park war vollkommen menschenleer.

Ich habe während der Fahrt einen Schutzkreis um mich gezogen und die Naturgeister um Schutz gebeten. Vor allem wollte ich meiner eigenen Seele ein Zeichen setzen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse von Angst. Und dass es nicht sein kann und sein darf, dass ich mich hier verbiegen muss, weil womöglich andere mir Angst machen wollen und ein abendlicher Park unterschwellig mit Gewalt droht. Ich will auch als Frau nachts durch das kleine Bisschen Natur radeln können, das die Stadt bietet. Und nicht „selber schuld“ sein und mich dafür rechtfertigen, falls doch was passiert.

Der Park war vielleicht kein großes Tabu und es ist müßig, in diesem Fall über Sinn oder Leichtsinn zu diskutieren – meine Seele hat verstanden. Und zu ihren Aufträgen gehört es ja ohnehin, Tabus zu entheiligen und für Wahrheit und Freiheit aufzustehen. Schritt für Schritt. Immer mehr.

AHE!

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